Rekonfiguration und Materialien

In der letzten Einheit haben wir vereinbart Zwischenziele in unsere Projektarbeit einzuführen, damit unsere Forschung durch die ganze remote und online Arbeit nicht untergeht und alle am Ball bleiben. Eines dieser Zwischenziele ist die Auseinandersetzung eines jeden Teams mit unserer Forschungsfrage. Da dieses Thema hoch komplex ist und wir sehr viel Hirnarbeit hierfür benötigen, ist der folgende Blog ausnahmsweise auf Deutsch verfasst.

Die Forschungsfrage, mit der wir uns auseinandersetzen lautet:

Wie rekonfigurieren unsere Materialien unsere kollaborative Arbeit? Und wie können wir unsere Materialien für Management by Design (unsere Bedürfnisse) rekonfigurieren?

Um uns an diese Aufgabe heranzuwagen, fassen wir noch einmal den Grundgedanken unserer Designprofessorin zusammen: Unsere Forschungsfrage ist zirkulär. Das bedeutet, dass wir durch unser Arbeiten die Rahmenbedingungen verändern und in diesen veränderten Rahmenbedingungen weiterarbeiten. Die Annahme in unserer Forschungsfrage ist, dass wir nicht nur als Menschen und Individuum arbeiten, tun, schaffen, sondern in Zusammenarbeit mit dem Material. Materialien sind hier jedoch nicht nur fassbare Dinge, sondern auch Texte, Regeln, Narrative, Informationen und Vorgaben. Also Dinge, die gegeben sind. Diese Materialien sind einerseits einschränkend, weil gegeben allerdings ermöglichen sie auch Neues. Hier entsteht eine Zweiseitigkeit, die wir ausnutzen möchten.

Wir als Gruppe Website beschäftigen uns vor allem mit digitalen Materialien, wenn wir von Materialien im klassischen Sinne sprechen. Wir beschäftigen uns mit der Website, mit Social Media und auch die Kommunikation im Team verläuft digital. Wenn wir von vorgegeben Materialien im Sinne von Regeln und Vorschriften sprechen, dann ist ebenfalls die Website das zentrale Material: Die Tatsache, dass es eine Website und einen Blog gibt war von Anfang an vorgegeben. Die Zweideutigkeit von Vorgegebenem und Veränderbarem wird hier sichtbar, weil wir die Website sehr wohl gestalten und zu unseren Bedürfnissen verändern können. Auch das Verfassen von Blogposts ist ein „vorgegebenes Material“, jedoch veränderbar in Hinblick auf den Inhalt und die Gestaltung des Eintrages selbst.

Okay, dann tasten wir uns jetzt langsam an die Beantwortung der Forschungsfrage heran.

Bevor wir damit anfangen, schauen wir uns die exakte Definition und Bedeutung von „rekonfigurieren“ an. Der Duden schlägt Folgendes vor (https://www.duden.de/rechtschreibung/rekonfigurieren):

Formulieren wir die Forschungsfrage einmal um: Wie gestalten unsere Materialien unsere kollaborative Arbeit? Und wie können wir unsere Materialien für Management by Design (unsere Bedürfnisse) an die neuen Anforderungen anpassen?

Wie gestalten unsere Materialien unsere kollaborative Arbeit?

Das Material Website gestaltet unsere gemeinsame Arbeit dahingehend, dass wir eine für alle einsichtige Plattform der Forschungsarbeit haben. Wir arbeiten zwar in unterschiedlichen Teams, können (und sollen) jedoch zu jedem Zeitpunkt die Arbeit der anderen beobachten. Außerdem sind wir als Team Website durch die Materialien Social Media andauernd in Kontakt mit allen Teams sowie auch externen Personengruppen wie beispielsweise Coresearchern. Das Material gestaltet unsere Arbeit also in Hinblick auf Vernetzung, Zugänglichkeit und Kontakt.

Führt man diesen Gedanken weiter aus, fällt auf, dass das Material Website wie auch die Social Media Kanäle die wir bedienen, auch immer eine gewisse Ästhetik mit sich bringen. Die ist auf der einen Seite bewusst von uns gewählt und beeinflusst, auf der anderen Seite gibt es jedoch schon eine vorgegebene Richtung, die für uns nicht antastbar ist. Bestimmte Voreinstellungen sind für uns als Gestalter*innen und Bestimmer*innen über Design und Inhalt schon vorab getroffen worden und bleiben unveränderbar. Wir können beispielsweise das Medium digitale Typographie nicht mit analoger Typographie ersetzen. Diese vorgegebenen Einstellungen beeinflussen den Rahmen unseres Handlungsspielraums und Einwirkungsrechts. De facto hat dies unterschiedliche Auswirkungen auf andere Personengruppen, die wir in unser Projekt miteinbeziehen. Manche Personen fühlen sich von der vorgegebenen und/ oder gewählten Ästhetik positiv angezogen, manch andere vielleicht nicht. Dies hängt weiterhin damit zusammen, dass Personen bestimmte Gefühle zu einem Design haben, losgelöst zum Beispiel durch bestimmte, persönliche Erinnerungen. Dieser Zusammenhang prägt weiterhin unsere kollobarotive Arbeit im Team mit anderen Studierenden, Professor*innen, Researchern und Co-Researchern. Das Material Website und Social Media als Gestaltungsmedien hat demnach großen Einfluss auf die effektive Zusammenarbeit und Partizipation. 

Und wie können wir unsere Materialien für unsere Bedürfnisse an die neuen Anforderungen anpassen?

Für die Beantwortung dieser Frage möchten wir zuallererst folgenden Gedankengang anbringen: Sprechen wir von Materialen im Sinne von Vorgaben, kann dies eine unmittelbare Limitierung von Kreativität bedeuten. Durch meist nicht handelbare Rahmenbedingungen, vorgegeben durch unsere Professor*innen, die als “Rulemaker” fungieren, ist unser Handlungsspielraum bezogen auf unsere Rolle als Gestalter bzw. UX-/UI-Designer der Website in ihrer Freiheit gewissermaßen vor-eingeschränkt. Für uns als Design Thinker wird der Prozess aus Verstehen, Beobachtung, Ideenfindung, Verfeinerung und Ausführung dadurch im gewisser Weise limitiert. 

Auf der anderen Seite kann man diesen Gedankengang auch von einer anderen Position betrachten: Zieht man als vereinfachtes Beispiel folgende Vorgabe heran: “Bitte ändert die leitende Farbe, die  die Unternehmensidentität des Forschungsprojektes schärft und bestimmt, von dunkelgrau zu blau.” Auf einen ersten und oberflächlichen Hinblick, scheint dieses Argument durch die persönliche Präferenz des “Rulemakers” entstanden zu sein. Er oder sie präferiert blau im Gegensatz zu grau. Lässt man sich dennoch auf den Deal ein und fragt nach einer Erklärung, fällt auf, dass die Wahl der Farbe viel tiefergehende Wurzeln hat als nur die persönliche Präferenz. Wir als Designresearcher müssen als aktive und kreative Spezialisten handeln. Demnach müssen wir Materialien (wie in diesem Beispiel die Farbe) in Zusammenhang mit ihren Bedeutungen sehen und dies in den Prozess unserer Gestaltung miteinbeziehen. Demnach sollten wir gegebene Vorgaben nicht als gegeben nehmen, sondern als Möglichkeit zur Erweituerung unseren Wissensrahmen betrachten. Ein*e gute*r Gestalter*in nimmt Vorschläge und Vorgaben nicht blind an, aber nimmt sie als Motivationsquelle die eigenen Fähigkeiten zu erweitern und den Gestaltungsprozess auf ein neues Level zu bringen, indem man sich bereits fundiertem Wissen bedient. Im folgenden kann durch das Erlernte eine bewusste Entscheidung getroffen werden, die sich entweder in einem Einwand äußert, oder aber in Zustimmung.

Erst daraus resultiert ein bewusstes Verständnis für unser Wissen und Können und je mehr Wissen erlangt wird, desto mehr Handlungsspielraum bleibt für die Generierung der Ideen.

Diese anfänglichen Gedankengänge münden in einem Verständnis, das weit über den Aspekt Wissen hinausgeht. Auch schulden wir diese Überlegungen der Disziplin Design - Es hat demnach also auch in gewisser Weise mit Respekt zu tun. Weiterhin nimmt diese Betrachtungsweise Einfluss auf unsere Anforderungen und Bedürfnisse.

Doch wie können wir weiterhin sicherstellen, dass wir unsere Materialien für unsere Bedürfnisse an die neuen Anforderungen anpassen?

Aus unserer Sicht fängt dieser Prozess nicht bei den für uns zugewiesenen Materialien Social Media und Website an. Vielmehr beginnt der Prozess mit dem Beginn des Forschungsprojekts und dem Bedarf der Integration einer effektiven Kommunikationsplattform. Da wir dies aufgrund unterschiedlicher Hürden nicht gewinnbringend umsetzen konnten (Danke Corona) wurden wir im Verlauf in unserem Designprozess immer wieder “aufgehalten” und mussten Rückschläge hinnehmen. Dies wurde ebenfalls losgelöst durch die Umstellung von “face-to-face” hin zu “online” Kommunikation. Offensichtlich waren diese “Rückschläge” essentiell und auch wichtig, dennoch lösten sie ein wenig Demotivation aus. 

In einer Welt der endlosen digitalen Lösungen und smarten Management Tools ist es schwer sich im Überfluss "richtig" zu entscheiden.

Wiederum dann stellt sich die Frage, ob es richtige und falsche Entscheidungen in diesem Kontext überhaupt gibt, oder ob nicht der Umgang mit dem Resultat der Entscheidung selbst erst bewertet werden kann.

Welches Tool ist das Richtige für unser Projekt? Das aller wichtigste für ein Projekt, dass aufgrund der Umstände online stattfinden muss, ist wie zuvor angedeutet, eine gelungene Kommunikation. Dies stellt bereits eine Herausforderung in der realen Welt da. Jede Person hat bestimmte Vorstellungen und persönliche Präferenzen. Jede*r möchte sofort mit der eigenen Herangehensweise in den Prozess eintauchen, anstatt sich mit unerwünschten Rückkopplungen und potentiellen Zeitverlusten (die oft keine Verluste, sondern Gewinne sind) zu beschäftigen. Online Vorlesungen beispielsweise bergen eine Reihe von Problemen, denn für konstruktives Arbeiten ist hierfür definitiv mehr Eigenwille und Selbstbeherrschung vonnöten. Daraus resultiert, dass der effektive Arbeitsprozess oft durch private Ablenkungen verhindert wird. Damit dies auf ein Minimum beschränkt werden kann, sollten wir ein Tool wählen, dass sich diesem Problem annimmt.

Der Versuch einer Antwort

Die zuvor beschriebenen Gedankengänge sind der Versuch der Herantastung and eine Beantwortung der Forschungsfrage. Auf eine endgütlige Antwort beziehungsweise Lösung können und wollen wir uns zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht festlegen, da der Forschungsprozess weiterhin im Gange ist und sich die Umstände somit nach wie vor permanent verändern.

Was wir jedoch festhalten möchten ist Folgendes:

Durch die Einrichtung unseres "eigenen" Spaces auf der Website haben wir uns einen Ort der Zusammenarbeit geschaffen, der für alle Gruppenmitglieder zugänglich ist und dennoch unser Ort ist. Wir wollen hier niemanden von unserer Arbeit ausschließen (der Bereich ist nur für Externe nicht sichtbar), möchten aber einen Platz schaffen, an dem wir unseren Bedürfnissen als Team Website nachgehen können. Das ist uns gelungen. Auch als Management by Design haben wir mit Miro ein Tool entdeckt, welches unseren Bedürfnissen als Studiengang entspricht. Dieses Design Thinking Tool ermöglicht uns eine ganz andere Art der kollaborativen Arbeit als beispielsweise Microsoft Teams. Ein großer Vorteil ist auch, dass wir es dennoch in Teams einbinden können (die Programme sind verknüpfbar) und somit neue Komplikationen, durch die Unübersichtlichkeit tausender Anwendungen verhindern. Wir sehen also, dass wir als Management by Design die gegebenen Materialien durch Veränderungen an unsere Bedürfnisse anpassen. Wie das geschieht, ist wohl von Team zu Team etwas unterschiedlich. Wir sind sehr gespannt auf die Überlegungen der anderen Gruppen.

Letztendlich stellt sich die Frage, ob es die eine Antwort auf unsere Frage und die perfekte Lösung für die angesprochenen Komplikationen überhaupt gibt. Denn auch hier sind viele Akteur*innen eingebunden, was wiederum viel kollaborative Arbeit verlangt, damit ein solcher Ansatz für alle zufriedenstellend ist. Die Implementierung der neuen Anforderungen an unsere Bedürfnisse ist vermutlich nicht zu 100 Prozent verlustfrei umsetzbar. Nicht in unserem Team und auch nicht in der gesamten Gruppe. Einerseits, weil in Gruppen immer Kompromisse eingegangen werden müssen. Andererseits weil der online Kontakt und die online Kommunikation erschwerte Bedinungen darstellen und der persönliche Kontakt und eine physische Zusammenarbeit uns hier bestimmt schneller zum Ziel bringen würden. Doch Verluste sind nicht immer nur etwas Negatives, denn aus Fehlern lernt man bekanntlich am besten. Durch die Auseinandersetzung mit diesen Frage haben wir das Projekt von einer ganz anderen Seite betrachtet und reflektiert.

Es hat uns auf alle Fälle auf eine neue Art und Weise zum Nachdenken angeregt.

 

 


Organising contributors - the materiality of categories

"Design teachers, design practitioners, design students" was the brief. These are the people contributing to our research project. And this is how we had organised the contributors on the website. The consent form, which formally includes someone as a contributor in the project, asked a person to identify as a teacher, a practitioner, or a student of design. These categories were offered as a list of options. It practice, we began separating people accordingly on the "Contributors" page. Underneath the headings "Design teachers", "Design Practitioners", and "Design Students", we placed people's names and photos.

At first, there was only one person underneath the heading "Design Practitioners". As we added the second practitioner, it became more difficult to maintain this separation. The practitioner had selected two options on the contributor identification section. Should this person be placed in both categories, in "teachers" and "practitioners"? Should we enforce the category "practitioners" (able to do so as website administrators)? Should we redefine the category "teachers" more closely to include only regular design teachers (able to do so as research leads)? The boundaries that define what categories include and exclude are fuzzy. Categories appear to be fixed at first, but they emerge as dynamic entities. Steven Bowker and Susan Leigh Star (1999) speak about the labour of maintaining categories, and the hidden work required to maintain these as viable categories, making them appear to be "natural". Categories change as elements do not fit neatly, and as category boundaries require work to be able to include or exclude elements. Category boundaries are negotiated - widened and tightened - during the work of organising elements. Categories are defined by what they are able to include and exclude. Categories do not exist naturally – they are the products of negotiating boundaries.

The boundaries of categories are not only negotiated by people, they can also be enforced by material factors. Bowker & Star write that the original International Classification of Diseases (ICD) defined 200 different diseases. But these 200 diseases were defined "not because of the nature of the human body and its problems but because this was the maximum number that would fit the large census sheets then in use." (p. 46). What counted as a disease was defined not only what doctors, patients and medical administrators had negotiated, but also how the census sheet was laid out, and how it was usable. In our research the consent form and the contributor identification section participated in the categorising of people.

Earlier we raised the question the categorisation of "who", and as who someone contributes. And that our form - offering the options "teacher", "practitioner", or "student" should enable the conversation around how roles are defined in projects. The form and its three identity options has facilitated a first challenge. The "practitioner" refusing the singular identification as a practitioner, and identifying as a teacher as well, made us rethink the categories. We have now changed the categorisation of contributors on the website, and there are now two sections remaining - "teachers" and "students".

Maintaining categorisations of contributors maintains not only separations between people, but also asserts hierarchies between groups. It is the university teachers who lead the research project, who are responsible, who have the contact with the students, who invited the practitioners to work with their students. Therefore, the teachers are always at the top of the list of contributors, as the leaders and the enablers enabling the research. The form assists this separation. It asks people to identify as one of three: teacher, practitioner, or student. A person checking two options (teacher and practitioner) thus reframed this identity exercise by not seeing these identity options as exclusive. This reframing enforced a rethinking of categories. It made us change the web page "Contributors". It made the university teachers give up a litte bit of the space at the top of the page.

Design research helps us rethink in what ways hierarchies are maintained at the sites of knowledge production. This research project makes inquiries into who gets to count as someone who "knows" knowledge, and who "learns" knowledge or who "applies" knowledge. Practice-based research questions the view that practitioners only "apply" knowledge they once acquired by "learning" at university by people who "taught" them. Design practitioners are seen as those who produce design knowledge at their sites of work.

By including everyone as a researcher - "practitioners", "students", and "teachers", we deliberately blur these boundaries of who knows design. A boundary changed – that between university teachers and design practitioners. On the "Contributors" page they are both now in the category "teachers". The research consent form reinforced this boundary initially, but then it was complicit in allowing a change by one person's creative use of it.

 

References

Bowker, Geoffrey C., & Star, Susan Leigh. (1999). Sorting Things Out: Classification and Its Consequences. London: The MIT Press.